Dieses Gefühl, irgendwie anders zu sein

In letzter Zeit war es wieder da. Und es taucht auch immer wieder mal auf. Dieses blöde Gefühl, dass einem deutlich macht, wie anders man doch anscheinend ist. Oder vielleicht auch nicht? Ich möchte mit euch meine Gedanken zum Thema „anders sein“ teilen, vielleicht geht es ja dem einen oder anderen auch so (oder anders 🙂 )?

Meistens kommen diese Gedanken durch eine immer wieder ähnliche Situation. Man stößt als Neuling auf eine meist langjährig bestehende Gruppe und fangen direkt unbewusst an, die Gruppe zu analysieren, zu verstehen, wer welche Rolle hat und versuchen, die Muster und Verhaltensweisen zu erkennen.

Da jeder von uns das Bedürfnis hat, irgendwie dazuzugehören und gemocht zu werden, versuchen wir uns anzupassen, indem wir unsere Verhaltensweisen ändern – indem wir uns schlicht und ergreifend irgendwie anders und nicht natürlich verhalten. Das kann bei jedem Menschen anders sein. Wo z.B. die einen sich eher ziehen als Beobachter zurückziehen, wählen die anderen den allseits bekannten „Angriff nach vorne“.

Auch ich kann mich natürlich nicht davon frei sprechen. Akzeptiert zu werden gibt mir eben ein schönes Gefühl und steigert mein Selbstbewusstsein. Allerdings habe ich auch für mich erkannt, dass man nicht überall akzeptiert werden kann und vor allem muss.

Unbedingt akzeptiert werden zu wollen, hat definitiv negative Seiten

Wenn der Wunsch nach Zugehörigkeit zu groß wird, kann es schnell passieren, dass wir uns selbst vergessen. Wir fangen an uns zu verstellen oder unsere Bedürfnisse zu weit zurückzustellen. Und genau an dieser Stelle sollten wir die Reißleine ziehen und einen Schnitt machen. Anders ausgedrückt: Wenn ich nicht ich selber sein kann, damit ich akzeptiert werden, wer soll ich dann sein? Ich kann niemals jemand anderes sein als ich selbst. Es klingt vielleicht auf den ersten Blick etwas seltsam, aber ich bin genug. Und du bist auch genug. Perfektion ist hier eine Illusion, jeder hat mit irgendwelchen Dämonen zu kämpfen. Jeder hat Ängste und jeder hat Makel. Doch sind wir uns darüber bewusst, dass es nun mal zu uns dazugehört und wir unsere Makel wirklich von ganzem Herzen akzeptieren, werden sie nie wieder gegen uns verwendet werden können.

Natürlich ist es schön, Bestandteil einer festen Gruppe zu sein, aber ist es vielleicht nicht so, dass das wahre Selbstbewusstsein von Innen kommt? Das lässt sich einfach sagen oder in dieser Kolumne so easy schreiben, aber bitte versteht mich nicht falsch. Sich selbst zu mögen, zu akzeptieren und mit den eigenen Stärken und Schwächen umzugehen, erfordert viel Mut. Anstatt immer auf Andere zu schauen, lege ich zunächst meinen Blick auf mich selbst und versuche, mich selber zu verstehen. Warum handle ich gerade so? Wieso nimmt mich diese Situation so mit? Habe ich die Möglichkeit, etwas zu ändern oder muss ich mich mit den Umständen arrangieren?

Es ist nicht schlimm, anders zu sein

Ich persönlich habe lange nach mir selber gesucht. Immer hatte ich das Gefühl anders zu sein und nirgendwo dazu zu gehören. Wobei ich heute weiß, dass es irgendwie auch so ist.. zumindest die Sache mit dem anders sein. Der Unterschied ist aber, dass ich früher damit zu kämpfen hatte, jedoch heute stolz darauf bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich jemanden an meiner Seite habe, der mich so akzeptiert wie ich bin und mich auch so sein lässt, wie ich nun mal bin. Mit all meinen Macken und Eigenarten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir gemeinsam anders sein können. Vor allem wenn niemand zusieht. 🙂

Die Sache mit der Freiheit

Aber es war auch ein langer Prozess, den ich mit mir selber geführt habe. Heute habe ich ein ziemlich starkes Selbstwertgefühl und es war schwer, sich das selber zu erarbeiten. Ich kenne so viele verschiedene Menschen und habe Freunde verschiedenster Art. Mit Einigen habe ich eher eine oberflächlichere und mit anderen eine viel tiefere Bindung. Auch wenn ich lieber eine tiefere Bindung zu meinen Freunden und Bekannten habe, so habe ich für mich erkannt, dass es auch okay ist, wenn ich nicht die Bezugsperson Nr. 1 für alle Freunde bin. Auf der anderen Seite können sich meine Freunde sicher sein, dass ich zu 100% für sie da bin, wenn sie mich brauchen. Es ist eine Frage der Freiheit, die man sich selbst, aber auch anderen gibt. Wenn man etwas zu sehr will, zu verbissen oder verkrampft an die Sache herangeht, wird man in der Regel eher verlieren als gewinnen. Deshalb seid stolz darauf, wenn eure Freunde euch ins Vertrauen ziehen und respektiert auf der anderen Seite auch, wenn es gerade für sie eben nicht passt, mit dir über ein bestimmtes Anliegen zu sprechen.

Anstatt auf der Suche nach Anerkennung und Bestätigung von anderen zu sein, sollten wir stolz auf die Person sein, die wir sind. Macht euch frei von diesem Wahnsinn, allen und jedem gefallen zu müssen. Deshalb hier mein Appell an euch: Seid crazy, seid anders als die Anderen, seid ihr selbst. Echte Freunde werden bleiben und neue Freunde vielleicht aus einer Ecke kommen, die ihr nie für möglich gehalten hättet. 🙂

Es ist okay, einfach nur anders zu sein

Heute kann ich wirklich sagen, dass mir das alles kaum noch etwas ausmacht. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie dieses Bedürfnis auftaucht, dazu zu gehören, aber es ist nicht mehr so stark, dass ich mich dafür verstelle. Das tolle an einem starken Selbstwertgefühl ist, dass mir die Wertung meiner Mitmenschen über mich nicht mehr so wichtig ist. Das macht eine Party oder ein Event doch noch viel lustiger, oder nicht? Vielleicht hat man in dem Moment gewonnen, in dem man einfach sein Ding macht und nicht so viel darüber nachdenkt. Entweder die Leute mögen es oder nicht, aber dafür ist man selber zu 100% echt. 😀

Seit ich hier irgendwie meinen inneren Frieden gefunden habe, geht es mir auch viel besser. Zudem nehme ich auch wahr, dass viele Menschen ganz anders auf mich zukommen und gerne Zeit mit mir verbringen. 🙂 Schaut dazu auch gerne mal in meinen Beitrag aus dem letzten Jahr – so fing quasi alles an.

Nur Mut, denn jeder ist anders

Wenn man mal darüber nachdenkt: Jeder ist doch irgendwie anders – oder anders ausgedrückt: einzigartig. Wenn ihr also beim nächsten Mal wieder dieses Gefühl wahrnehmt oder eine neue Person in euer Leben tritt, so denkt immer daran: Ihr seid wundervoll wie ihr seid. Eure Makel und Schrulligkeiten machen euch letztendlich aus und vielleicht ist es ja auch genau das, dass euer Gegenüber so gut an euch findet. Macht euch frei von Zwängen, seid mutig und einzigartig aber gebt im gleichen Zuge auch den anderen die Freiheit, die sie brauchen, um sie selbst zu sein. 🙂

Eure Rebecca

 

10 Replies to “Dieses Gefühl, irgendwie anders zu sein”

  1. Das hast du wirklich schön geschrieben und toll auf den Punkt gebracht! Mir wurde als Kind und Jugendliche immer gezeigt das ich anders bin und das hat mich ganz schön fertig gemacht bis ich Freunde gefunden habe, die genau das an mir am meisten mochten! Mittlerweile bin ich immer ich selbst und schäme mich nicht dafür, bin lieber eine crazy kleine glückliche Asiatin als eine langweilige angepasste unglückliche 😉

    Danke für diesen schönen Beitrag ❤

    Alles Liebe
    Jasmin

  2. Ich glaube, dass es wirklich schwierig ist, wenn man krampfhaft versucht sich anzupassen, um nicht „anders“ zu sein. Dabei ist es doch das was uns alle ausmacht. Jeder ist anders und die einen sind einfach überall beliebt und die Nr. 1 und die anderen haben ihre 5 guten Freunde auf die sie sich wirklich verlassen können. Du kannst auf jeden Fall stolz darauf sein, dass dir die Meinung und Bewertung anderer nicht so wichtig ist.

    Liebe Grüße, Milli
    (http://www.millilovesfashion.de)

  3. Ein schöner Post. Ich finde, jeder Mensch ist auf seine Art speziell und alle unterscheiden sich voneinander. So sollte es auch sein. Daran ist wirklich nichts verkehrt 🙂 aber klar, manchmal fällt es eben schwer, seine eigenen Macken zu akzeptieren. In diesem Sinne ganz viel Mut zum „anders sein“ 🙂

    Liebste Grüsse
    Swenja
    https://www.overtheview.ch

  4. Sehr schöner Text und gut geschrieben. Anders zu sein heißt auch, sich selber treu zu bleiben. Man kann eh nicht Jedem gefallen und man sollte sich auch nicht anderen zuliebe verstellen. Ganz liebe Grüße Marie

  5. Das hast du wundervoll geschrieben! Wirklich wahre Worte – manchmal wünsche ich mir, das hätte mir jemand schon mal eher gesagt. Ich bin froh, das auch irgendwann kapiert zu haben. Es macht vieles so viel leichter, und die Menschen, die einen nicht so akzeptieren, wie man ist, sind sie es auch nicht wert, dass man sich für sie verstellt.

    Liebe Grüße,
    Alex

  6. Ich finde es super, dass du als Fashion- und im Moment vllt auch Fitness- Bloggerin, Anders sein/ die eigene Persönlichkeit thematisierst. Ich hoffe, dass es viele Leute ermutigt und inspiriert.
    Vielleicht zeigst du uns ja auch einmal ein kleines bisschen deine verrückte Seite 😉

  7. Liebe Rebecca,

    was für ein schöner Beitrag! Und sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich bin auch anders und es fällt mir oft schwer das zu akzeptieren. Ich wünschte oft dass ich einfach mit der Masse „mitschwimmen“ könnte, weil man es nicht leicht hat wenn man „anders“ ist.

    Hab einen schönen Abend!
    lg
    Verena

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